Vision 2005 in der Festung:

 

„Historisches Erbe und moderner

Wirtschaftsstandort“

 

 

"Wasser und Mehr - Meer und Perspektiven" lautet das Motto der "Vision 2005".

Genau dieses Motto war es, das Peter Scholtysik vom Handels- und Gewerbeverein

Pries-Friedrichsort (HGV) auf das Wirtschafts- und Kulturfestival der 

Industrie- und Handelskammern Flensburg und Kiel aufmerksam gemacht hatte.

 

Das passt gut zu Friedrichsort, befand er und brauchte seine HGV-Kollegen und

den Verein "Freunde der Festung" nicht lange zu überreden. Am 29. und 30. April

sowie am 1. Mai findet in der Festung Friedrichsort eine Ausstellung und ein

Symposium statt - als eine von über 100 Veranstaltungen in ganz Schleswig-Holstein.

 

"Wir konnten den Leitgedanken der Vision 2005 selbst mit Leben füllen", erklärt

Scholtysik. Zusammen mit dem Verein "Freunde der Festung Friedrichsort e.V." -

der HGV ist in diesem Verein Mitglied - wurde das Friedrichsorter Motto

"Historisches Erbe und moderner Wirtschaftsstandort" ausgegeben. Unter diesem Titel

werden auf dem Symposium am Freitagabend und in der Ausstellung am Wochenende

Friedrichsort und die schwedische Stadt Karlskrona  miteinander verglichen.

"Die Stadt wurde wie unsere Festung lange Zeit militärisch genutzt und soll sich jetzt

dem Publikum öffnen", erklärt Scholtysik die Verbindung zwischen Kiel und Karlskrona,

wo ebenfalls die Kieler Werft einer der größten Arbeitgeber ist. Mit welchen Mitteln

und Ideen eine solche Öffnung funktionieren kann und soll, dass werden unter anderem der

Kulturchef der Stadt und andere Redner erläutern, so das Programm am

Freitagabend für die rund 220 geladenen Gäste. Am Sonnabend und Sonntag ist

die Festung mit einer Präsentation der Friedrichsorter Gewerbetreibenden und

verschienenden Ausstellungen sowie für Führungen für alle geöffnet (ab 10 Uhr).

Studenten der Muthesius Kunsthochschule werden die Festung in eine

Licht- und Klangillumination tauchen, Architekturstudenten stellen ihr Modell

der Festung vor, dazu gibt es einen historischen Abriss.

 

Die  Friedrichsorter  Kaufmannschaft - angefangen von den drei Werften im

Stadtteil - wird sich an verschiedenen Ständen präsentieren. 50 kann beim Stand

der Werft Rathje selbst ausprobiert werden, wie man ein Holzboot zusammen zimmert,

Mak Data stellt sein  Schiffpositionssystem vor (www.makdata.de) und Caterpillar/MaK 

werden über Schiffmotoren informieren. Wie es sich auf dem Wasser wohnt, werden

Katrin Birr (Chefin der Werft Gebrüder Friedrich) und Professor Ludwig Fromm,

Rektor der Muthesium-Hochschule, zeigen.

 

Dazu gibt es stündlich Führungen über das historische Gelände, Vorträge und Musik.

Der Eintritt ist frei (um Spenden wird gebeten). Am Sonntag wird das Ballett der

Landeshauptstadt Kiel auftreten (Eintritt). Für das leibliche Wohl sorgt die

Forstbaumschule.

 

 

 

 

Geschichte hinter verschlossenen Mauern

 

Die Festung Friedrichsort

 

Einst hielten dänische Soldaten auf den dicken Wallanlagen Ausschau nach

Schwedischen Kriegsschiffen. Dann bezog die deutsche Marine die alten Gebäude

der Festung Friedrichsort. Geschichtsträchtig sind die alten Mauern, die seit

langer Zeit wegen militärischer Nutzung hinter Zäunen und Stacheldraht

verborgen wurden. Bis jetzt:

 

Der Verein "Freunde der Festung Friedrichsort" will die historische Anlage

wieder öffentlich machen.

 

Grasbewachsene Wälle, das Mauerwerk, das die Kasematten vor Eindringlingen

schützen soll, ist mit dornigen Brombeersträuchern überwachsen. Kein Laut ist

zu hören, als Michael Grimm, Vorsitzender des Festungsvereins, das schwer

verschlossene Tor zur Anlage am Falckensteiner Strand und schließlich die

Eingangstür in die Kasematten öffnet. Laut hallen die Schritte der Besucher in

den alten Gängen und leergefegten Räumen wieder. Sie dienten lange Jahre der

Marine als Standort.

 

Hier war die Wiweb untergebracht, das Wehrwissenschaftliche Institut, sowie

die Güterprüfstelle der Bundeswehr. Die Festung wurde überdies als Signalstelle

genutzt und war deshalb militärischer Sicherheitsbereich. Nur einige zurückgelassene

Bilder erinnern heute an den militärischen Nutzen der alten Anlage, die 1632 von

den Dänen gebaut wurde. Die Festung am Deichweg ist Keimzelle des heutigen

Friedrichsorts. Der dänische König Christian IV. wollte an der schmalsten Stelle

der Kieler Außenförde eine Festung zum Schutz gegen die feindlichen Schweden.

 

Die Umgebung der Festung nannte er "Priesorth", die Festung selbst wurde "Christianspries"

genannt. Die 1637 fertig gestellte Anlage wurde bereits kurz nach seinem Tod aus

politischen Gründen von seinem Sohn Friedrich III. geschleift, jedoch in den Jahren

1663-1690 größer und kampfbereiter wieder aufgebaut. Festung und Umgebung heißen seither

Friedrichsort.

 

Nach preußischer Übernahme wurden die in dänischer Zeit errichteten Gebäude entfernt

oder wesentlich verändert. 1869 und 1876 entstanden die Kasematten in gelbem Backstein,

die als einzige Bauwerke bis heute erhalten geblieben sind. Ursprünglich mit Erde

überdeckt wurden sie nach dem Ersten Weltkrieg freigelegt. Auch die Außenanlagen

zeigen sich heute wesentlich verändert. Die damaligen Befestigungsanlagen sind heute

nicht mehr zu erkennen. Nur noch die überwucherten Wallanlagen und Gräben aus der Zeit

Christian IV. sind erhalten und aus der Vogelpenpektive als Umrisse deutlich erkennbar.

 

1919 wurde die Festung zum Flüchtlingslager, 1924 zum Kindererholungsheim. 1945 wurden

hier ehemalige polnische Kriegsgefangene untergebracht. 1956 übernahm schließlich die

Bundeswehr das Gelände. Erst diente die Festung zur Unterbringung von Obdachlosen (bis 1974),

ab 1961 wurde sie militärisch genutzt. "Die Festung wurde eingezäunt und war für die

Öffentlichkeit nicht mehr frei zugänglich", erklärt Grimm. Das ist auch heute noch so.

 

Mit Einschränkungen. Denn nur mit Genehmigung der Bundeswehr und mit einer Führung durch

den Verein ist die gut gesicherte Anlage zu betreten. Zwar ist die Liegenschaft von

der Marine vor rund einem Jahr aufgegeben worden und soll im Zuge der Umstrukturierungen

beim Bund verkauft werden, doch noch gehört ihr das Gelände. Und aus versicherungstechnischen

Gründen darf halt nicht jeder rein. "Das ganze Gelände ist ob der Nutzung uneben und voller

Löcher, daher nicht ganz ungefährlich", weiß Grimm, der als Jurist und Abteilungsleiter

in der Wehrbereichsverwaltung bei der Bundeswehr sich schon jahrelang mit der Festung

beschäftigt hat.

 

Dennoch soll nun, nach rund 350 Jahren militärischer Nutzung, das seit 1966 unter

Denkmalschutz stehende Gelände und Gebäude als eine Art Museum wieder öffentlich

zugänglich gemacht werden. Dafür hat sich am 10. Februar 2004 mit heute 30 Mitgliedern

der Verein "Freunde der Festung Friedrichsort e.V." gegründet. Auf den rund acht

Hektar Gelände und in den zwei Kasematten - ehemalige Schlafsale - könnte bald wieder

Leben einziehen. Grillfeste, Führungen, Radtouren durch die Festung und mehr könnte

sich Grimm vorstellen. Auch Ausstellungen, Konzerte und sonstige Veranstaltungen könnten

im ersten Teil der alten Kasematte durchaus stattfinden. Denn hier sind die Räume und

die Fußböden noch gut erhalten. Die Vision 2005, zu dem der Festungsverein und der

Handels- und Gewerbeverein Friedrichsort in die Festung einlädt (29./30. April und 1. Mai)

könnte ein Startpunkt für weitere Ideen sein.

 

Infos über die Festung und über den Verein gibt es bei

 

Michael Grimm,

Uhlenhorster Weg 21,

24159 Kiel,

Telefon 0431/395308

und im Internet unter www.kiel-friedrichsort.de.

 

HGV Pries Friedrichsort