Presseartikel



Bank will Kulturladen kaufen
Volksbank prüft bauliche Eignung des „Leuchtturm“-Gebäudes – Verein kündigt Widerstand an
Kieler Nachrichten 08. Dezember 2006

Pries/Friedrichsort – Für die Volksbank Kiel ist der Norden der Landeshauptstadt so etwas wie ein weißer Fleck auf der Landkarte. Weder in Friedrichsort noch in Holtenau oder Schilksee betreibt das Kreditinstitut eine Filiale. Jetzt denkt die Bank darüber nach, den Kulturladen Leuchtturm von der Stadt zu kaufen und dort einzuziehen. Und löst damit ordentlich Wirbel aus.
Sehr zum Unmut des Vorsitzenden Gerhard Schorner (CDU) war die mögliche Veräußerung der im Eigentum der Stadt Kiel befindlichen Immobilie im Friedrichsorter Zentrum auf Betreiben der SPD-Ortsbeiräte am Mittwochabend unverhofft zur öffentlichen Angelegenheit geworden. Mit Rücksicht auf das „schwebende Verfahren“ und die vereinbarte Vertraulichkeit mochte sich Schorner nur verklausuliert zu der Problematik äußern und sprach davon, dass der Kulturladen „vielleicht mittelfristig in der derzeitigen Art und Weise und seinem derzeitigen Umfang nicht weiterbetrieben werden kann.“ Der Ortsbeirat sei sich jedoch über alle Parteigrenzen hinweg einig, dass die Einrichtung ohne Abstriche erhalten werden müsse, betonte Schorner.
    Was der Ortsbeiratschef am Mittwochabend nicht so konkret aussprechen wollte, bestätigte Volksbank-Vorstandsvorsitzender Carl-Christian Ehlers gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Gebäude des Kulturladens würde „letztendlich unseren Interessen entsprechen“, sagte Ehlers, der aber zugleich Verständnis für die Situation des Kulturladens äußerte. Soweit mit den Erfordernissen des Bankbetriebs vereinbar, solle deshalb auch künftig eine Nutzung des Gebäudes durch den 1987 gegründeten Kulturverein mit seinen 54 Mitgliedern ermöglicht werden.
    Verbindlich sind solche Gedankenspiele laut Ehlers aber noch nicht. Derzeit sei man noch dabei, zu prüfen, ob das seit 1992 vom Kulturladen genutzte ehemalige Zweifamilienhaus von seinen baulichen Eigenschaften her überhaupt für die Zwecke einer Bank tauglich ist.
    Arge Bedenken äußerte indes am Mittwochabend Hella Gripp, die zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört und bis heute die treibende Kraft des Kulturladens ist. „So wie die Stadt sich das vorstellt, geht das nicht“, rief sie aus und spielte damit darauf an, dass das Gebäude für eine doppelte Nutzung viel zu klein sei. Kampfeslustig fügte sie hinzu: „Ich bin nicht gewillt, dieses Haus zu verlassen.“ Auch Zuhörerin Martha Voelker kündigte entschiedenen Widerstand für den Fall an, dass der Kulturladen wirklich verkauft werden sollte: „Da kann die Stadt sich auf den Kopf stellen, wir machen bei so was nicht mit.“
    SPD-Ortsbeirat Volkhard Hanns forderte dazu auf, sich nicht mit dem Argument abzufinden, Geldmangel lasse der Stadt keine Alternative zu einem Verkauf. „Wenn der politische Wille da ist und das nötige Geld bereitgestellt wird, kann der Kulturladen genau so weiterbetrieben werden wie bisher“, meinte er. So desaströs wie behauptet sei die Haushaltslage der Stadt im Übrigen keineswegs.
    Peter Scholtysik von der CDU verwies darauf, dass ein anderer Eigentümer der Immobilie nicht unbedingt Einschränkungen für den Kulturladen bringen müsste. Auch SPD-Ratsherr Bernd Vogelsang riet zu Gelassenheit, weil bislang lediglich „erste Gespräche“ geführt worden seien. Ähnlich argumentierte Gerhard Schorner, der nicht ausschließen mochte, dass sich der Kaufinteressent bald von sich aus zurückzieht und sich die ganze Aufregung am Ende als „Sturm im Wasserglas“ entpuppt. CDU-Ratsherr Dietrich Huckriede brachte diese Variante noch deutlicher ins Gespräch und sagte, er könne sich „gut vorstellen, dass alles so bleibt wie es ist“.
    Bis zum Jahr 2008 dürfte Huckriedes Aussage mit einiger Wahrscheinlichkeit jedenfalls gelten. So lange läuft eine Zuwendungs- und Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Kiel, die den rein ehrenamtlich geführten Verein mit jährlich 46000 Euro fördert.
    Auf ein gemeinsames Votum für den Erhalt des Kulturladens in seiner jetzigen Form konnte sich der Ortsbeirat am Mittwoch zur Verblüffung des Publikums nicht einigen, weil sich CDU und SPD gegenseitig blockierten.
Von Martin Geist


Gute Nacht Leuchtturm? In Friedrichsort ist die Aufregung groß, weil die Volksbank das denkmalgeschützte Gebäude des Kulturladens kaufen will. Foto mag

 

Infos über den Handels- und Gewerbeverein gibt es beim HGV Pries-Friedrichsort e.V., Zum Dänischen Wohld 23, 24159 Kiel.
Tel.:0431/39077
E-Mail: info@hgv-friedrichsort.de
Internet: www.hgv-friedrichsort.de
Der Stadtteil Pries-Friedrichsort im Internet: www.kiel-friedrichsort.de

HGV Pries Friedrichsort