Presseartikel
     



Ortsbeirat fühlt sich verschaukelt

Kieler Nachrichten, 9. Dezember 2005

Weiter Streit um das Leuchtturmwärterhäuschen – Vorwürfe gegen Bürgermeister Todeskino
Von Carola Jeschke

Friedrichsort – Wer gehofft hatte, mit Bekanntgabe der neuen Pächter hätte das Gerangel um die künftige Nutzung des Leuchtturmwärterhäuschens am Falckensteiner Strand (wie berichtet) endlich ein Ende gefunden, der wurde bei der Sitzung des Ortsbeirates Pries/Friedrichsort eines Besseren belehrt.

Zwar bleibt es bei dem geplanten Konzept, doch als einer der beiden Pächter, Peter Tack, in einem Nebensatz den Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung erwähnte, war die Empörung im Raum greifbar. Denn Baudezernent Peter Todeskino hatte bei seinem Besuch in der Novembersitzung noch von „laufenden Verhandlungen“ und „dringender Chefsache“ gesprochen, als der Vertrag längst in trockenen Tüchern gewesen sein muss.

Für die Ortsbeiratsmitglieder, die sofort das Protokoll der vergangenen Sitzung hervor holten, ist das unverzeihlich. „Wir werden hier zwei Jahre lang verschaukelt“, empörte sich Peter Scholtysik und äußerte seine Befürchtung, dass der Ortsbeirat auch beim Verkauf der Festung „vor vollendete Tatsachen“ gestellt werde, da die Stadt durch die KiWi zum Käuferkonsortium gehöre. Der Vorsitzende, Gerhard Schorner, kündigte sogleich an, für Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz „etwas zu formulieren, dass sich mit Sicherheit nicht gut liest“.

Dabei hatte Pächter Peter Tack eigentlich über das Konzept und seine Macher informieren wollen. Ausdrücklich wandte er sich an Christine Becker, die am Ende ihres kräftezehrenden Hürdenlaufs durch die städtischen Ämter eine plötzliche und für sie bis heute unverständliche Absage erhalten hatte: „Tut mir Leid für Sie, Frau Becker.“ Seit 1. November sei er nun rechtmäßiger Pächter. Da wurde es unruhig im Raum und Peter Scholtysik stellte fest: „Am 2. November war Todeskino bei uns und versicherte uns, die Verhandlungen liefen noch.“

Peter Tack sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, an besagtem Abend nicht Klartext gesprochen zu haben. „Ich wollte dem Dezernenten nicht in den Rücken fallen“, begründete er sein Schweigen. Das Vertrauen des Ortsbeirates sei erheblich geschädigt und das Verhalten Todeskinos sei nicht hinzunehmen, fasste Gerhard Schorner zusammen.

Erstaunt nahm Peter Todeskino gestern die Vorwürfe gegen ihn zur Kenntnis. Von schlechter Vorbereitung oder gar einer Verschleierungstaktik könne nicht die Rede sein. Auch wenn er „möglicherweise nicht über den genauen Tag der Vertragsunterzeichnung informiert“ gewesen sei, so sei der gesamte Vorgang doch stets über seinen Schreibtisch gelaufen. „Mit Chefsache meinte ich natürlich auch den Vertrag“, betonte der Baudezernent. Nach verwaltungsinternen Recherchen bekräftigte auch Stadtpressesprecher Tim Holborn, dass die Information über den Vertragsabschluss erst einige Tage später bei Todeskino angekommen sei. „So etwas dauert manchmal länger und Herr Todeskino hat sich damals in bester Absicht vor die Bürger gestellt, um zu zeigen, dass er sich kümmert.“

Am Ende einer langen und lebhaften Sitzung hatte der Ortsbeirat noch zwei Anträge für die Ratsversammlung am 15. und 16. Dezember formuliert. Darin fordert er die künftige Beteiligung des Vorsitzenden in allen Gremien sowie Unterstützung seitens der Stadt für die Gründung einer Stiftung, die das öffentliche Interesse an der kulturhistorisch bedeutsamen Festung Friedrichsort wahrt.


Weiter Streitobjekt: Das Leuchtturmwärterhäuschen am Falckensteiner Strand. Foto jes
 
HGV Pries Friedrichsort