Presseartikel
     


Ärger über Baudezernenten Todeskino
Streit am Deich
Kieler Express Nord, 14. Dezember 2005

Friedrichsort – Eigentlich wollte der neue Pächter des Leuchtturmwärterhäuschens, Peter Tack, die Sitzung des Ortsbeirates Pries/Friedrichsort nutzen, um sich die künftige Nutzung des Areals kurz vorzustellen - und das Tauziehen um das begehrte Objekt offiziell für beendet zu erklären. Doch als Tack in einem Nebensatz den Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung erwähnte, war die Empörung im Raum greifbar. Denn Baudezernent Peter Todeskino hatte bei seinem Besuch in der Novembersitzung noch von „laufenden Verhandlungen“ und „dringender Chefsache“ gesprochen. Da war der Vertrag längst unterzeichnet.

Seit 1. November sei er nun rechtmäßiger Pächter und setze sich zurzeit mit den zahlreichen Auflagen auseinander, berichtete Tack und sorgte damit für erhebliche Unruhe unter seinen Zuhörern. Peter Scholtysik fasste sie in Worte: „Am 2. November war Todeskino bei uns und versicherte uns, die Verhandlungen liefen noch.“

Bewusste Verschleierung oder schlechte Vorbereitung? Beides sei für einen hoch bezahlten Bürgermeister inakzeptabel, befanden die Ortsbeiratsmitglieder. „Wir werden hier zwei Jahre lang verschaukelt, da können wir den Ortsbeirat ja gleich in ein Adventskränzchen umwandeln“, empörte sich Peter Scholtysik und äußerte im gleichen Atemzug seine Befürchtung, dass der Ortsbeirat auch beim Verkauf der Festung „vor vollendete Tatsachen“ gestellt werde. Auch zu diesem Thema habe Todeskino betont, dass die Stadt keine Einflussmöglichkeiten habe. In Wahrheit gehörte sie jedoch durch KIWI zum Käuferkonsortium. „Eine brandheiße Krise“ urteilte der Vorsitzende Gerhard Schorner.

Peter Tack musste sich unvermutet den Vorwurf gefallen lassen, an besagtem Abend nicht Klartext gesprochen zu haben. „Ich wollte dem Dezernenten nicht in den Rücken fallen“, begründete er sein Schweigen.


Bei klarer Sicht können die Gäste der geplanten Gastronomie im Leuchtturmwärterhäuschen einen traumhaften Blick auf das Ostufer genießen. Klare Sicht wünscht sich auch der Ortsbeirat Pries/Friedrichsort, der Baudezernent Peter Todeskino vorwirft, seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben.


Christine Becker nahm dagegen kein Blatt vor den Mund. In einem Gespräch mit Todeskino am 22. November habe er auf ihre Nachfrage hin eingeräumt, von dem Konzept für das Leuchtturmwärterhäuschen keine Ahnung zu haben, berichtete sie dem Ortsbeirat. „Herr Todeskino sagt nicht nur wenig, sondern auch noch die Unwahrheit“, fasste Gerhard Schorner zusammen. Das Vertrauen des Ortsbeirates sei erheblich geschädigt und man sei nicht bereit das Verhalten Todeskinos hinzunehmen.

Baudezernent Peter Todeskino hatte wenig Verständnis für die Vorwürfe des Ortsbeirates. Von schlechter Vorbereitung oder gar einer bewussten Verschleierungstaktik könne keine Rede sein, betonte er in seiner Stellungnahme. Auch wenn er „möglicherweise nicht über den genauen Tag der Vertragsunterzeichnung informiert“ gewesen sei, so sei der gesamte Vorgang doch stets über seinen Schreibtisch gelaufen. „Mit Chefsache meinte ich natürlich auch den Vertrag“, sagte Todeskino. Zudem habe er niemals behauptet, die Stadt hätte beim Verkauf der Festung keine Einflussmöglichkeiten. Pressesprecher Tim Holborn bekräftigte, dass die Information über Vertragsabschluss in der Tat erst einige Tage später bei Todeskino angekommen sei. „So etwas dauert manchmal länger und Herr Todeskino hat sich damals in bester Absicht vor die Bürger gestellt, um zu zeigen, dass er sich kümmert“, sagte Holborn.

Als Ergebnis einer langen und lebhaften Sitzung hatte der Ortsbeirat am Ende zwei Anträge für die Ratsversammlung am 15. und 16. Dezember formuliert. Darin fordert er die künftige Beteiligung des Vorsitzenden in allen Gremien sowie Unterstützung seitens der Stadt Kiel für die Gründung einer Stiftung, die das öffentliche Interesse an der kulturhistorisch bedeutsamen Festung Friedrichsort wahrt. (jes)

HGV Pries Friedrichsort