Presseartikel
     


Aus der Traum vom Restaurant
Kieler Nachrichten, 7. Oktober 2005
Von Carola Jeschke

Christine Becker wollte das ehemaligen Leuchtturmwärterhäuschen in Friedrichsort pachten – Neuer Investor

Friedrichsort – Die Sitzung des Ortsbeirates Pries/Friedrichsort war eigentlich schon so gut wie beendet, da sorgte eine kleine Nachfrage von Birgit Wellendorf (SPD) zum ungewissen Schicksal des ehemaligen Leuchtturmwärterhäuschens für Furore. Denn Christine Becker, bis vor wenigen Tagen noch potenzielle Pächterin des maroden Gebäudes nahe der Festung, nutzte die Gelegenheit, um ihren kräftezehrenden Hindernislauf durch die städtischen Ämter zu schildern.
Ihr Kritik an dem gesamten Verfahren richtet sich insbesondere an das Amt für Immobilienwirtschaft: „Da wurde im höchsten Maße unprofessionell gearbeitet.“ Noch im Mai hatte Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz im Rahmen ihrer Tour durch die Ortsbeiräte versichert, die Vertragsunterzeichnung mit der interessierten Gastronomin stehe kurz bevor. Nur eine wusste nach eigenen Angaben nichts davon: Christine Becker, die das sanierungsbedürftige Haus mit Traumblick auf Strand, Leuchtturm und Förde in ein hochwertiges Restaurant verwandeln wollte.

Sie rang zu diesem Zeitpunkt bereits seit eineinhalb Jahren mit der Stadt um die Vertragsmodalitäten. Da sie das Haus schon seit vielen Jahren „im Auge“ hatte, hatte die Friedrichsorterin nicht lange überlegen müssen, als sie im Frühling 2004 von der Ausschreibung erfuhr. „Ich wollte allerdings keine weitere Pommesbude, die im Winter leer steht, sondern ein Restaurant, das mit der einmaligen Natur und der Festung ein Gesamtkonzept bildet“, erklärt Christine Becker.
Das Konzept überzeugte, Christine Becker gewann die Ausschreibung. Dass sie an einem solchen Standort mit unzähligen Auflagen rechnen musste, war der Unternehmerin klar. Auch die Tatsache, dass sie allein für Abwasser, Parkraum und sogar das Auffüllen eines alten Bunkers zuständig sein sollte und das angekündigte Stromhäuschen eineinhalb Jahre auf sich warten ließ, konnte sie nicht schrecken. Im Amt für Immobilienwirtschaft schätzte man ihre Investitionskosten auf rund 200000 Euro. „Die haben mir immer das Gefühl gegeben: Frau Becker macht das schon.“ Eine Machbarkeitsstudie der Stadt habe es nicht gegeben. Erst als sie in Eigeninitiative einen Betriebsberater hinzuzog, der das notwendige Kapital auf mindestens 400 000 Euro bezifferte, begannen die Schwierigkeiten.


Begehrtes Schmuckstück: Im ehemaligen Leuchtturmwärterhäuschen am Falckensteiner Strand soll künftig lecker gespeist werden können – nach der Sanierung durch einen neuen Investor. Fotos jes

Aber Christine Becker machte weiter: Sie war es, die die Stadt auf die Möglichkeit eines Kredits für den Stadtteil im Rahmen der Ländlichen Struktur- und Entwicklungsanalyse (LSE) hinwies, die den Kontakt zum dafür zuständigen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume herstellte, die sich um Frauenförderungsprogramme bemühte. „Ich habe die Arbeit gemacht, für die eigentlich das Amt für Immobilienwirtschaft da ist“, kritisiert Becker. Und zu allem Überfluss habe die Stadt plötzlich Druck gemacht, wollte für die LSE-Förderung kein Jahr mehr abwarten und drängte zur Vertragsunterzeichnung. „Das wäre aber ohne konkreten Finanzierungsplan eine windige Sache gewesen“, sagt Christine Becker. Sie unterschrieb nicht. „Plötzlich sollte es eine zweite Ausschreibung geben und ich wurde geradezu aufgefordert, mich noch einmal zu beteiligen.“ Doch bevor sie dazu kam, erreichte sie der Anruf: Sie sei aus dem Rennen, hieß es lapidar.
Im Rathaus kann man die Aufregung nicht verstehen: „Aus unserer Sicht war alles in trockenen Tüchern, die Verträge waren unterschriftsreif, aber die potenzielle Pächterin hat nicht unterschrieben und auch nicht weiter verhandelt“, erklärte Sprecher Detlef Strempel. Man habe jedoch nach wie vor das Ziel verfolgt, im kommenden Jahr ein gastronomisches Anbot an dieser Stelle vorweisen zu können. „Deshalb haben wir uns auf einen Mitbewerber der ersten Ausschreibung besonnen, der damals sogar auf Platz eins war, dann jedoch nicht sofort zur Verfügung stand.“


Sie wollte hier ihr gastronomisches Konzept verwirklichen und fühlt sich nun ausgebootet: Christine Becker.

Nicht nur für Christine Becker, die das gesamte Verfahren als „extrem unprofessionell“ empfindet, ist dieser Ausgang niederschmetternd und unverständlich. „Wir sind als Ortsbeirat ebenso vertröstet worden“, betonte dessen Vorsitzender Gerhard Schorner. Peter Scholtysik, der auch als Mitglied des Vereins der „Freunde der Festung“ ein Befürworter von Beckers gastronomischen Konzept war, vermutet gar eine „große Schweinerei“. Die Aufgabe des Ortsbeirates sei es, diese aufzudecken.
 
HGV Pries Friedrichsort